Cavos, Hugo`s oder doch lieber McDonalds?

Ja, die münchner Schickeria ist ein sensibles und launisches Volk. Um zu dieser erlauchten Truppe zu gehören muss man schon umwerfend schön, einflussreich, berühmt oder wohlhabend sein. Am besten alles zusammen. Und man muss wissen wo denn „gerade alle hingehen“. „Alle“ sind in dem Fall nicht ganz München sondern nur der exklusive Kreis eben dieser Bussi-Bussi-Fanatiker, die durch ihr schwarmhaftes Verhalten bestimmen was gerade IN ist. Und das kann sich auch von einem Tag auf den anderen ändern. Keiner weiß genau warum. Ein bisschen wie bei Heuschrecken.

Grund genug sich zwei der erfolgreichsten Gesellschaftsphänomene mal anzusehen. Das griechische Restaurant Cavos Taverna in Schwabing und das legendäre Hugos nahe des bayrischen Hofs. Ich habe beide Läden am Wochenende besucht und Sie werden nicht glauben was ich herausfand! Ehrlich, das ist nobelpreisverdächtig! Und ich wette, am Ende des Berichts wird Ihnen einiges klar...
Als ich am Samstagabend das Hugos besuchte, stand ich erst mal lange, wie ein Trottel, im Lokal und wartete, dass jemand kommt und mich fragt ob er mir helfen könne. Nach 9 Minuten Wartezeit hätte ich mich auch schon über Blickkontakt mit einem Kellner gefreut, so entnervt war ich .Ich versuche meine Freunde irgendwo zu entdecken-keine Chance. Und das Personal ignorierte mich hartnäckig. Was stimmt nicht mit mir? Es gibt keinen freien Tisch kaum Raum zum Durchgehen. Und an den Tischen kaum Platz zum Essen. Mittlerweile stehen ich 12 Minuten und alle Leute, die bereits sitzen starren mich etwas verächtlich an. Scheinbar bin ich ziemlich out weil ich solange warten muss. Ich nutze die Gelegenheit und starre einfach zurück und mir die Menschen genauer anzusehen. Zu den Männern: Es ist eine interessante Mischung aus Geschäftsleuten, nichtsnutzigen Erben und ein paar zwielichtigen Gestalten in Ed-Hardy-Shirts. Oft trifft man hier auch Fussballer, Schauspieler oder Models und noch viel öfter den Promi-Harzt4 - Stammtisch mit Leuten, die keiner mehr sehen will. Hier und da noch ein paar Unvermeidliche, wie Julia Siegel. Nur einer fehlt seit ein paar Monaten: Luca Toni. Dieser Kerl war ständig hier und er brachte immer etwas Glamour mit. Jetzt ist uns nur noch Frank Ribery als Stammgast geblieben und aus weiblicher Sicht ist das kein brauchbarer Ersatz! Der FC Bayern hat Tonis Wechsel zum AS Rom wesentlich besser verkraftet als das Hugos. Oder ich. Bei den Frauen hier gibt es nur zwei Sorten: Die, die selbst Geld und vielleicht sogar einen Job haben und die Tischdamen. Diese Mädchen sind immer dort, wo man Männer mit Geld trifft. Sie sehen gut aus, haben wenig an und keinerlei Anspruch an Aussehen, Niveau oder Charakter ihres Bezahlers. Das macht sie zur idealen Spaßbegleitung. Viele würden diese Mädels Schlampen nennen. Aber da man sowas nicht sagt, tu ich das auch nicht. Noch während ich fasziniert den Atombusen einer eben solchen wasserstoffblonden Dame mit russischem Akzent anstarre tun mir langsam die Füße vom Stehen weh. Jetzt reicht es. Den nächsten Kellner halte ich am Arm fest und bitte ihn sehr bestimmt mich sofort zu meinem Tisch zu bringen. Einige meiner Freunde sitzen schon da und haben bereits ihre Getränke. Sie sind hier Stammgäste. Und als ich dann sehr schlecht gelaunt auf meinen Stuhl plumpse merke ich, dass ich mich doch schon mal genau so gefühlt hatte. Ja, und zwar am Abend zuvor, im Cavos. Denn da ging es mir ganz genauso.
Noch glaube ich an einen Zufall. Ich bestelle meine Getränke und als diese nach 20 Minuten kommen, entspanne ich mich etwas. Ich versuche einen netten Abend zu haben .Also sehen ich mich um und versuche diese besondere Atmosphäre im Hugos, von der immer alle reden, zu spüren. Aber ich spüre nur nichts, nur irgendwas nasses! Und noch während ich mich wundere fängt eine Bedienung an,sich vielmals zu entschuldigen, denn sie hatte mir ein Glas Wein von hinten über meine Lederjacke gekippt. Und irgendwie tut sie mir leid. Ja, der Service hier ist grauenvoll aber was soll schon dabei rauskommen, wenn ein Laden brutal voll ist und nicht genug Kellner da sind? Die können sich auch nicht zerreißen. Das gleiche Bild fand ich im Cavos. Als ich da endlich eine zweite Flasche Wasser bestellen konnte, hätte ich fast vor Glück geweint.

Meine Freunde und ich bestellen unser Essen und manche von uns bekommen es nach 5 Minuten, andere warten eine halbe Stunde. Ja, das sieht man hier sehr lässig und sowas gefällt mir nicht. Ich esse wortlos und gestresst. Aber die Pizza im Hugos ist wirklich eine der besten. Auch wenn ich sagen muss, dass das Essen im Cavos viel schneller ging und man mir dort erlaubte gleichzeitig mit meiner Begleitung zu speisen .Die griechische Küche ist fantastisch, und hat überraschend normale Preise. Auch das Hugos ist nicht so überteuert wie man denken möchte.
Aber trotzdem kommt bei mir, so auf engstem Raum eingepfercht, keine gute Stimmung auf. Meine Freunde haben es geschafft eine zweite Flasche Wein bestellen zu dürfen und werden langsam sehr fröhlich. Sie sehen das Alles, dank steigendem Alkoholpegel, gegen 23 Uhr sehr locker. Eine Taktik die scheinbar viele hier verfolgen. Aber ich bin nüchtern und zünde mir eine Zigarette an. Und als ich mich gerade der Situation ergeben möchte und mich zwingen will nicht so eine Zicke zu sein ,erschrecke ich zu Tode denn die Musik wird schlagartig noch lauter, das Licht geht fast komplett aus und ein Mann wirft Servierten durch die Luft. Meine Freunde springen auf und freuen sich wie verrückt. Über was?! Ich glaube liegt es an mir! Ich bin nicht locker genug für diese Art von Spaß. Das gebe ich auch gerne zu. Ich bin wohl langweilig.
Und jetzt dreht auch der Rest des Lokals durch. Einfach so. Von 0 auf 100 gibt es scheinbar was zu feiern. Das Ende der Finanzkrise etwa? Oder Iphone 4 umsonst für alle? Sowas hab ich noch nie erlebt – bis auf einmal: am Abend zuvor im Cavos!
Die Erkenntnis trifft mich wie ein Blitz. Jetzt ist alles klar! Es ist wie in dem Film „täglich Grüßt das Murmeltier“! Ich erlebe scheinbar immer denselben Abend nur an zwei verschiedenen Orten! Die Zeichen sind eindeutig. Kein Platz, kein Kellner, immer die gleichen Leute und um ca 23 Uhr Eskalation auf Knopfdruck. Unglaublich! Ich dachte sowas wie Parallelwelten fände man nur bei Harry Potter. Aber es gibt sie wirklich! Ich möchte sofort bezahlen und verschwinden, denn meine Nerven sind nach dieser Entdeckung endgültig durch. Aber meine Kellnerin tanzt auf einem Stuhl nahe des DJ-Pults .Meine Freunde bemerken meine Verzweiflung, auch wenn sie selbst auf unserem Tisch stehen, und zahlen für mich mit. Ich fahre in meinem ruhigen Auto Richtung McDrive und man fragt mich sofort nett was ich gerne hätte. Ich bestelle mir einen McFlurry. Man gibt ihn mir freundlich und wirft mir keine Servierte ins Gesicht. Ist das nicht toll?! Und all die Jahre hielt ich das tatsächlich für selbstverständlich.
Sie denken ich bin verrückt und es gibt keine kosmische Verbindung zwischen Cavos und Hugos? Dann versuchen Sie es doch selbst! Gehen Sie am Freitag ins Cavos und tags danach ins Hugos. Oder umgekehrt, das ist egal. Wenn sie heute reservieren können Sie es in 3 bis 5 Wochen selbst ausprobieren!