Über Sara

 

“Sie weiss nicht, worauf sie sich einlaesst” schoss es mir durch den Kopf. Sara Schätzl hatte mich wirklich gebeten, eine Feature-Story über sie zu verfassen. Nach 13 Jahren als Korrespondent in Hollywood hab ich so ziemlich alles gehört und beschönigen ist nicht meine Sache. Zumal alles, was bislang punkto Schätzl-Storys über den grossen Teich geweht war, nach 08/15-Starlet klang. Warum würde sie sich auf das Risiko einlassen einen Journalisten über sich richten zu lassen und dies auf ihrer Website zu veröffentlichen? Das konnte nur jugendlicher Leichtsinn oder Dummheit sein.

Wie man sich täuschen kann! Ein paar gründliche Recherchen und ein persönliches Treffen belehrte mich eines Besseren.
Grundsätzlich gilt, ja, sie polarisiert. Wer Sara Schätzl einmal live und in Farbe trifft, vergisst sie nicht mehr. Ihre “Ich schaff das”-Einstellung reisst mit und erklärt, warum ihre Geschichte – Girl vom Land zieht aus um berühmt zu werden – ein Happy End haben wird. Denn wo so viele vor ihr schon scheiterten, erfüllte sich Schätzl ihren Traum. Das Mädchen aus Donauwoerth stieg zum It-Girl auf.

Schätzl hatte bereits mit 6 Jahren erste Erfahrungen im Entertainment-Gewerbe gesammelt – in einem TV-Werbespot fuer Käthe Kruse-Puppen. Mit 10 folgte ihr Debüt auf der Theaterbuehne, die ihr bald zu klein wurde. Deshalb beschloss sie mit 16 nach Muenchen umzusiedeln, um sich dort im Showbusiness durchzusetzen. Auf ihre eigene und ungewöhnliche, hartnäckige Art. Ohne Pressemappe, Fotos oder gar Agent kampierte sie vor der Tuer einer Casting-Firma: “Ich habe mich so lange geweigert weg zugehen, bis man mich vorsprechen liess. So hab ich meine erste kleine Rolle bekommen.”
Es folgten groessere Rollen in TV-Serien und Daily Soaps und Schätzls Aufnahme in die Promi- und Party-Society. Kaum eine Woche, in der der Name “Sara Schätzl” nicht durch die Boulevard-Presse geisterte. Es ging um ihre Partys, ihre Oberweite, ihre Männer – und Schätzl kultivierte klug die Klischees. Sie bediente den Geschmack der Medien und erschuf eine Kunstfigur – ohne Schmerzgrenze. In den Worten von Jan Chaberny, dem Society-Journalisten der “Abendzeitung”, ist Schätzl “eine wahre Virtuosin der Selbstinszenierung”. Kaum ein wichtiges Event, zu dem sie nicht über den roten Teppich lief. Dass das angebliche Super-Partygirl danach oft gleich wieder durch die Hintertuer den Abgang machte, merkte kaum einer.

Die Jahre im Rampenlicht hinterliessen bei ihr Spuren. Eine schwere Sinneskrise ging in Depressionen ueber. Schätzl hatte sich im Blitzlichtgewitter verloren: “Mein Leben bestand nur aus Oberflächlichkeit und Schein. Es fehlte die Substanz. Ich brauchte eine radikale Luftveraenderung.” Die fand sie auf dem Land. Sie mietete sich ein idyllisches Haus mit Garten, änderte ihre Telefonnummer und schaffte sich ein Pferd und drei Hunde an. Dass sie mit dem Ausstieg ihren hart erarbeiteten Bekanntheitsgrad aufs Spiel setzte, war ihr egal: “Manchmal muss man sich trauen anzuhalten und sich umzusehen. Notfalls auch mit sich selbst hart ins Gericht gehen.”

Schätzl fand das perfekte Werkzeug zur Selbstverwirklichung und Selbst-Therapie: Schreiben. Ihr Beschluss, die Seiten zu wechseln und sich als Autorin zu betätigen, wurde von der Branche belächelt. Den Sprung vom spärlich bekleideten It-Girl zur Journalistin oder Autorin sahen viele als PR-Gag und nahmen ihn nicht besonders ernst. Für Schätzl war es weiterer Ansporn sich durchzusetzen. Sie erweiterte ihrer Tattoo-Sammung um den Schriftzug “Lebe frei und träume laut”, kaufte sich ein MacBook und fing an zu schreiben. Erst kam ein kleiner Blog, dann ihre eigene Website. 2011 folgte der literarische Ritterschlag: BILD gab ihr ihre eigene Kolumne. In “Zur Sache Schätzl” begeisterte sie ihre Fans mit ungewöhnlichen Storys aus ihrem Leben zwischen Landluft und Promipartys. Die Kolumne war so populär, dass ihr eines der renomiertesten Verlagshäuser Deutschlands einen Buchvertrag anbot. 2012 brachte Schaetzls ihr Buch “Glamourgirl” auf den Markt – über ihren Aufstieg und den Blick hinter die Kulissen von “Schätzl-World”. Als Promi-Autorin wurde sie zum beliebten Gast in den wichtigsten Talk- und Latenight-Shows des Landes, darunter “Marcus Lanz”. Dort gab sie Mitte 2012 auch überraschend ihre Schwangerschaft bekannt.

Anfang 2013 beschloss Schätzl nach tiefgreifenden privaten Ereignissen, sich noch einmal völlig neu zu erfinden. Sie verließ ihre deutsche “Komfort-Zone” und folgte ihrem Fixstern Hollywood. “Ich wuchs in einer Stadt auf, die kleiner ist als die durchschnittliche amerikanische Mall. Mein Leben lang hatte ich Serien und Filme geschaut, die im großartigen, glitzernden Amerika spielten. Da wollte ich auch hin. Also machte ich das eben einfach.”
Mit ihrem kleinen Sohn Louis landete Schätzl in Los Angeles. Im Gepäck nur den einen Plan: Sich in Amerika als Schauspielerin durchzusetzen. Ihre Heimat kann Sara aber nicht ganz loslassen. Die TV-Stationen RTL und VOX folgen ihr und dokumentieren den Anfang von “Sara in Amerika”. Zeit zum Luftholen hat Schätzl im Land der unbegrenzten Moeglichkeiten nicht. Sie ist gefragter denn je. Aufnahmen fuer deutsche Realityshows, Schauspielunterricht im Studio der weltberühmten Marjorie Ballentine, Auditions, Red Carpet Events, Video-Kolumne und natürlich Mama sein.

Als Journalist hört man von Newcomern in Hollywood häufig den Spruch “Ich werde mich hier durchsetzen und an der Seite der Stars die Menschen entertainen.” Meistens muss man dann aus Erfahrung nur müde lächeln. Doch wer, so wie ich, Sara Schätzl live erlebt hat, der glaubt ihr das aufs Wort.
 
 
Verfasst von Chris Thiele
(senior correspondent and co-owner of Enterpress Entertainment News Agency Hollywood)

Chris Thiele