"Und jetzt verkauft sie ihr Kind auch noch an die Presse...!!"

Es gab in den letzten 8 Jahren, die ich mich nun schon durch den Blätterwald der Presse schlage, viele böse und falsche Dinge, die über mich geschrieben wurden. Über das Meiste brauchte ich mich wohl, bei dem Bild, das ich teilweise selbst von mir in der Öffentlichkeit zeichnete, nicht wundern.
Es waren aber auch mutwillige Unwahrheiten, dreiste Behauptungen und bösartige Lügen dabei.

Es mag ein Zeichen von Schwäche sein, aber mehr als einmal saß ich dann heulend vor einer Zeitung oder dem TV und konnte mich kaum einkriegen. Immer wieder ging mir das heftig an die Substanz, obwohl mir alte Showhasen in meinem Umfeld erklären wollten, dass das eben dazu gehöre. Mein Kopf wusste das - mein Herz war trotzdem tief getroffen - ja, ich bin ein übersensibles Weichei, das sich gerne als „toughe Zicke“ verkleidet. Jetzt habe ich es einfach mal ausgesprochen.

Aber egal, wie schlimm eine Schlagzeile war, ich habe mich nie gewehrt. Nie ein Fass aufgemacht. Nie rechtliche Schritte erwogen. Heute ist das anders. Zum ersten Mal.

Es gab Berichterstattung von großen, seriösen Medien unseres Landes, über die Geburt meines Kindes. Das ist jetzt nicht großartig verwunderlich, wenn man bedenkt, dass ja auch überall von meiner Schwangerschaft (vor Allem im Zusammenhang mit den giftigen PIP-Implantaten) berichtet wurde. Das läuft dann so, dass man eben ein Interview führt und der Redakteur einen Bericht unter Verwendung von einigen Zitaten schreibt. Und da lief auch alles gut- die Berichte entsprachen voll der Wahrheit.

Ich selbst würde mich nie als „Promi“ bezeichnen, das wäre vermessen. Aber ich bin wohl, wie der Jurist sich ausdrücken würde, „Persönlichkeit des öffentlichen Interesses“. Am Rande bemerkt, nimmt mir das quasi alle Persönlichkeitsrechte.
Als Person, für die sich dann doch ein, zwei Menschen in Deutschland interessieren, wurde dann über die Geburt meines Kindes berichtet. Eben diese Geburt lief nicht glatt ,sondern es ging alles schief, das nur irgendwie schief gehen konnte. Insgesamt lag ich fast 4 Wochen im Krankenhaus und mein kleiner Sohn auf der Frühchen-Intensivstation. Das ist Fakt. Nicht mehr, nicht weniger. Es ist einfach nur wahr.

Im Gegensatz zu anderen bekannten Gesichtern, entschied ich mich gegen die typische „Alles ist wundervoll und uns scheint die Sonne aus dem Allerwertesten“-Version, die man sonst immer überall zu lesen bekommt. Ich entschied mich für die Wahrheit.
Mein kleiner Schatz und ich hatten einen ganz holprigen, von großen Steinen übersähten und steilen Anfang unseres gemeinsamen Weges. UND DAFÜR MÜSSEN WIR UNS NICHT SCHÄMEN !

Ich war keine der überschwänglichen, sofort glücklichen und total love-stoned-Müttern. Auch den berühmten Moment, wenn man sein Kind auf den Bauch gelegt bekommt, durfte ich nicht haben, denn er wurde sofort aus dem OP getragen. Wie sollte ich also einer Zeitung das übliche „Bla bla“ vom schönsten Moment des Lebens erzählen ?
So gab es diesen Moment für mich nicht! Er wurde mir genommen. Und auch dafür muss ich mich nicht schämen.

In den Wochen, die ich in diesem Krankenhaus verbrachte, haben ich sehr viele andere Mütter kennengelernt. Frauen mit Traumgeburten, welche mit Kaiserschnitt, und welche mit jeder Art Komplikation, die man sich vorstellen kann- sei es bei Mutter oder Kind.

Es wurde mir schnell klar, dass das Thema „Geburt und Mutterschaft“ in unserer Gesellschaft völlig verklärt wird. Sobald es um Babys geht, darf scheinbar nichts Schlimmes ausgesprochen werden. Und wenn wir dann schon dabei sind, den Müttern, die ähnlich viel Pech hatten wie ich, zu vermitteln, daß sie mit diesem Schicksal alleine auf der Welt wären, dann können wir ihnen auch gleich schön unter die Nase reiben, dass sie ja die einzigen sind, die ewig danach noch 10 Kilo mehr drauf haben.
Ich bekomme tonnenweise Mails von total frustrierten Mamis, die mich fragen, warum ich schon wieder so dünn bin.

Erstens: Ich habe mich total zusammengerissen, während meiner Schwangerschaft, mich nur gesund ernährt und fast nie Süßigkeiten angefasst. Das ist kein Hexenwerk und kein Privileg, dass einem zum ersten Bildzeitungs-Titel dazu geschenkt wird. Es ist einfach Disziplin.

Aber Zweitens : Ich hatte in den ersten beiden Wochen nach der Geburt solche Angst um mein Kind und so hohes Fieber, dass ich kaum essen konnte. Toll, oder? Das steht aber eben nicht unter den Bildern, die mich dieser Tage in Magazinen zeigen. Aber ich erzähle es euch jetzt. Ich bin aus Sorge und Kummer so dünn und nicht, weil ich toller bin als ihr. Wollt ihr noch immer tauschen?

Und für all die „Hater“ da draußen, die großmäulig ihre Blogs über mich schreiben ohne je ein Wort mit mir gewechselt zu haben: Ihr könnt mich mal.
Ich meine das aus tiefstem Herzen. Leute wie ihr versprühen ihr Gift ohne Rücksicht. So Jemand wie euch hat leider fast jeder in seinem Leben. Sei es der böse Kollege im Büro, die missgünstige Zicke im Bekanntenkreis oder „Terrorhansel“, den fast jede Familiensippe ihr eigenen nennen muss. Es gibt Menschen, die müssen immer ihren Schnabel aufreißen und Unfrieden stiften. Bei mir eben mit etwas größerer Zuhörerschaft.

Und nicht, dass ich mich rechtfertigen müsste, aber ich tu es trotzdem. Einfach, um den fleißigen Bloggern unter euch zumindest die Chance zu geben, einen annähernd journalistischen Anklang von Wissen und Recherche in euren Berichten zu haben :

Im Moment versuche ich Medien und Sponsoren zu überreden bei einer Charity-Aktion zugunsten kranker Kinder, die spezieller Förderung bedürfen, mitzuwirken. Darüber hinaus versuche ich, mit Hilfe der passenden Zeitungen und Sender dann auch all den Marken-Schnick-Schnack, den Louis so besitzt zu versteigern. Auch dieser Erlös wird gespendet. Denn wenn mir eines in den Wochen im Krankenhaus klar wurde, dann, dass mein kleiner Junge nicht viel mehr als Liebe und Wärme braucht. Alles andere ist nur spaßige Deko, die am Ende wenigstens einen guten Zweck erfüllen sollte.

Zusammengefasst : Mein Sohn ist die Liebe und der Inhalt meines Lebens und ich bin so stolz, dass ich ihn der ganzen Welt zeigen will. So wie das auch sonst jede, vor Freude platzende, Mami tun würde.

Und ich versuche das erste Mal, meinen Bekanntheitsgrad für etwas wahrhaft Gutes einzusetzen, indem ich eine Charity-Aktion auf die Beine stelle.

And „This is it “ - wie der große Michael Jackson gesagt hätte.