Der Mann und ich ... die Freuden des Gemetzels

Der Mann und ich...

Ich habe einen Freund. Oder besser Exfreund. Oder, nein, doch nicht, er ist mein Freund. Oder? Ach, schwer zu sagen. Unser „Relationshipstatus“ , wie die Generation Facebook so schön sagt, wechselt nämlich öfter von sonnig-grün nach höllen-rot als die Ampel vor meinem Haus.

Tja, warum nur ist das so? Es liegt sicher auch an der beeindruckenden Sammlung interner Beziehungs-spielchen, die wir uns zugelegt haben. Da wäre zum Beispiel „Wer zuerst anruft, stirbt“. Bei diesem allseits beliebten Klassiker geht es darum, sich im Streitfall ja nicht beim Anderen zu melden egal wie sehr man es will. Man schiebt es also ewig raus und belästigt in dieser Zeit alle Freunde, Verwandten und Unglückseeligen die zufällig den eigenen Weg kreuzen, mit den schrecklich Geschichten seines Beziehungsleids. In diesem Moment ist es für den Trennungs- oder Streitgeplagten auch gänzlich unvorstellbar, dass dieses meist wirre Gefasel für Aussenstehende total langweilig und sogar nervig sein könnte. Schließlich erzählt man ja von der akut schrecklichsten Situation überhaupt. Den eigenen Beziehungsproblemen. Wie könnte das nicht der spannendste Gesprächsstoff für die eigene oder gesamte Umwelt sein?? So geschah es zum Beispiel vor 2 Wochen in Köln, dass ein sehr netter älterer Herr ein Interview zu meinem Buch mit mir führen sollte, aber stattdessen über 20 Minuten meinem Gejammere zuhören musste, weil er -böser Fehler- beiläufig erwähnte dass er früher mal Familientherapeut war...

Schön ist auch Spiel 2: „Ich darf niemals zugeben dass ich Unrecht hatte“. Dieses Spiel erfordert schon etwas mehr Taktik. Solange man sich noch bei oben ausgeführten Spiel befindet kann man ja Allen seine Version der Geschichte erzählen und in der hat man natürlich immer Recht ! Was auch sonst. Und Alle werden uns beipflichten und denn, von uns erzählt und ausgeschmückt, klingt die Geschichte auch so als wären wir das Opfer und der andere ein rießen Depp. Woraufhin dann unser Gegenüber in die gängigen „sei froh, dass du den/die los bist. Du kannst was viel besseres haben“-Arien ausbricht. Und wir hören das gerne und es führt dazu, dass wir das auch für einen winzigen Moment so glauben. ( Aber natürlich sind wir nicht froh den anderen los zu sein, denn wenn dem so wäre, würden wir nicht jedem ein Ohr mit den Geschichten über ihn/sie abkauen!! Es ist absurd wenn Leute stundenlang über den Ex schwafeln um dann mit dem Satz „Ist mir aber auch egal mittlerweile. Ich bin völlig drüber weg und erinnere mich kaum noch an seine/ihre Existenz“ zu enden ! Hört auf damit ! Wem wollt ihr denn da was vormachen?)
Solange also der Gesprächspartner nur ein einseitiger Zuhörer ist der uns unsere Sicht der Dinge bereitwillig glaubt, ist „Ich darf auf keinen Fall zugeben dass ich Unrecht hatte“ also ein sehr einfach Spiel.
Aber dann kommt Level 2 : Die Deluxe-Version. Das ganze nämlich auch noch im Gespräch mit dem Partner durchzuhalten. Das ist nur was für die ganz harten. Und ich möchte hier am Rande erwähnen, dass leider sowohl mein On-Off-On-Freund als auch ich gute Chancen auf den Weltmeistertitel in dieser Disziplin hätten. Der Verlauf ist zwar völlig vorhersehbar und doch immer wieder tückisch und grauenvoll. Ich möchte das kurz und pragmatisch in den Grundzügen beschreiben denn es variiert nie besonders stark:
Nach einer viel zu langen Spielzeit von „Wer zuerst anruft stirbt“ sind die Gemüter erhitzt und jeder ist kurz davor zu implodieren. So steht man sich also gegenüber. Auch wenn man dachte es wären ja jetzt ein paar Tage oder sogar Wochen vergangen und man könnte jetzt „mit Abstand“ (ich hasse diese Abstands-Scheiß-Theorie ) an die Sache rangehen, wird man nach bereits 5 Sätzen feststellen, dass es diesen Abstand nicht gibt. Wie auch? Es ist alles noch genauso ungeklärt wie an Tag 1 und mittlerweile hatte man genug Zeit das Ganze zur Staatskrise zu erheben. Dann steht da Partei eins und breitet den eigenen , leicht verklärten und doch sehr selbstgefälligen Standpunkt aus und Partei 2 tut, wenn nicht jetzt schon wütend Galle spuckt, das Gleiche. Und am Ende stehen da zwei, auf dem Papier, Erwachsene und starren sich an. In den Köpfen die gleichen Fragen. Reden wir vom gleichen Ereignis? War einer von uns währenddessen unter dem Einfluss starker bewusstseinsverändernder Drogen? Hat mein Gegenüber komplett den Verstand verloren und verletze ich meine Sorgfaltspflicht wenn ich sie/ihn nicht einliefern lasse ??
Und dann geht man in der Regel wie zwei Kampfgockel verbal und unfair aufeinander los bis einer wütend und/oder weinend den Ring verlässt und theatralisch abzieht.

Dann gehen wir wieder zurück zu „Wer zuerst anruft stirbt“ . Ja, so ist das. Und warum machen wir das? Weil halt leider das Potential einer Person, uns wirklich zur Weißglut zu treiben, proportional steigt umso mehr sie uns bedeutet. Das ist eine ganz beschissene und unbarmherzige Tatsache. Eine Grausamkeit der Natur. So wie Schokolade halt dick macht. Und wenn wir jemanden lieben, und es der dumme (oder einfach passioniert böse) Zufall so wollte, dass sich nun zwei absolut kommunikationsgestörte und über die Maßen sture Menschen sehr in einander verlieben, kann daraus der Stoff für „Romeo und Julia“ oder halt auch für eine Fortsetzung der „Saw“-Reihe werden. Oder beides abwechselnd, wie in meine Fall.

Gestern habe ich mir mal einen Beziehungsratgeber bestellt. Ernsthaft. Denn auch wenn ich weiß, dass sowohl mein Gegenspieler als auch ich nicht aus unserer Haut und oft, selbst wenn wir es wollten, nicht über unseren eigene Schatten springen können, so braucht dieses Spiel doch eines : Regeln. Und wenn möglich sogar Grenzen. Denn hier wird scharf geschossen. Und der Schaden ist real. Damit es also nicht bald „Game over“ heißt, werde ich mal versuchen unsere Streitigkeiten vom Egoshooter zu etwas weniger grausamen wie vielleicht Schiffeversenken umzuwandeln.

Und wenn ich das geschafft habe schreibe ich dann ein Buch mit dem klangvollen Titel „Die Freuden der On-Off-Beziehung“. Oder vielleicht „Wie man den Wackelkontakt in der Partnerschaft mit ein bisschen Tesa repariert“ ...

Und wenn es mir nicht gelingt schreibe ich einen Beziehungsratgeber der einfach „What not to do“ heißt. Ich schreib einfach auf geschätzt 500 Seiten was ich schon so gemacht habe um eine Beziehung sicher zum Ende zu bringen und dann wird der geneigte Leser schon wissen was er eben nicht zu tun hat... wie der Titel schon sagt. Das dürfte ja dann nach, nach dem bewährten Ausschlussverfahren, einige Probleme lösen .