Raubkatzenfütterung ... Freud lässt grüßen

Seit letzter Woche habe ich ein neues Hautier. Eine Wildkatze. Ein sehr schönes und interessantes Tier, aber leider auch extrem schwierig. Schon als ich die Anschaffung des kleinen Kätzchens in meinem Freundeskreis ankündigte, gab es da einige Bedenken seitens des schwierigen Publikums. Wie immer, fegte ich diese mit einem lapidaren „Das wird schon!“ beiseite. Und dann kam ein weniger lapidares „Das hast du über deine Exfreunde auch immer gesagt. Du machst dir das Leben halt gern selber schwer.“ von meiner Freundin Rena zurück. Kurzer Lacher für Alle am Tisch und dann Themawechsel.

Aber nun, an Tag 5 des neuen Mitbewohners, geht mir Rena`s Bemerkung irgendwie nicht aus dem Kopf. Ich saß heute 2 Stunden vor der Katze und starrte sie an. Das allein ist schon wieder kein schönes Bild. Aber während ich da so saß, fragte ich mich, ob meine Freunde Recht hätten und ich absichtlich Probleme in mein Leben bringen würde. Ist die Wildkatzen-Sache ein Paradebeispiel für meine unterbewusste Vorgehensweise? Versuchen wir doch mal die Sache systematisch zu ergründen. Wo liegen die Parallelen?

Also die Katze hat schon große Gemeinsamkeiten mit meinem letzten Ex-Fast-Freund aus Berlin. Sobald ich sie streicheln will, faucht sie und schlägt nach mir. Kommt sie allerdings freiwillig bei mir an, muss ich sofort mit ihr schmusen. Tue ich das nicht, gibt es einen beleidigten Rückzug, begleitet von fiesen Knurren. Auch das erinnert stark an meine vergangenen Liebschaften. Die meiste Zeit ist es ihr egal was ich so mache, ausser ich spiele mit den anderen Tieren, dann kommt sie, drängt sich dazwischen und fordert alle Aufmerksamkeit. Wäre einer meiner ehemals Angebeteten schon tot, hätte ich wohl Angst, das Tier wäre seine Reinkarnation.
Wir halten fest: In meinem Haus wohnt nun tatsächlich mein Männer-Beuteschema in Katzengestalt. Diese Erkenntnis überrascht mich gerade selbst ein wenig. Das ist irgendwie lustig und gleichzeitig bedenklich.

Nun zu meinem Part. Warum hole ich mir eine Wildkatze ins Haus? Warum kein gut erzogenes, süßes Fellbündel aus namhafter Zucht? Gute Frage. So sehr ich auch in mich gehe, ich kann das nicht wirklich ganz beantworten. Weder in Bezug auf die Katze, noch auf die Männer. Bei der Wildkatze, war es wohl meine Leidenschaft für das Besondere. Die Herausforderung sie zu zähmen und ihr Vertrauen zu gewinnen, spielte sicher auch eine große Rolle. Ausserdem finde ich es nicht schlimm viel Zeit und Arbeit in das neue Familienmitglied investieren zu müssen. Ich habe nie gezweifelt, dass am Schluss Alles gut sein wird. Und bis jetzt hatte ich ja Recht. Momentan sitzt die Katze brav neben mir und schaut interessiert auf die leuchtende Tastatur des MacBooks.

Bei meinen Männern muss es wohl auch der Hang zu Besonderen gewesen sein, denn keiner von ihnen war ansatzweise “normal“ . Jeder hatte auffällige Macken und Eigenheiten. Wahre Sonderlinge. Nur die Zähmung war nie von besonders langem Erfolg gekrönt. All diese außergewöhnlichen Männer wurden für ein paar Tage, Wochen oder Jahre zahm. Aber dann fehlte irgendwas und ich verlies sie. Traurig über das gescheiterte Projekt und die trotzdem verlorene Schlacht. Vielleicht ist das mein Problem. Es ist für mich ein Projekt, meist auch eine Schacht und immer eine Herausforderung. Worum geht es mir eigentlich? Dieses Rätsel werde ich wohl heute nicht mehr lösen können.

Aber wenn ich meine neue Katze so sehe, wie sie stundenlang versucht einen viel zu großen Teddy zu erlegen und ihn dann stolz in ihre Höhle zerrt - dann erinnert sie mich plötzlich eher an mich selbst . . .