Silvester. Neues Jahr, neues WHATEVER !!!

Der Plan war : Am 1.1. eine ganz tolle, tiefschürfende Kolumne zum Thema „Neuanfang und gute Vorsätze“ veröffentlichen. Hat nicht geklappt. Scheiterte schon an der selbstgesetzten Deadline, wie man ja sieht. Und es scheiterte an mir. Alles was mir einfiel war scheiße und in meinem Kopf schrie Gollums Stimme: „Es ist schlääääächt ! So schläääächt !“
Nun ist heute schon der 3.1 und es will einfach nicht klappen mit der super Kolumne. Ich sitze vor dem Macbook und es ist, als würden sich 2 Drähte in meinem Kopf fälschlicherweise berühren. Alles durcheinander. Ist aber auch kein Wunder, denn irgendwann nach Weihnachten habe ich jedes Zeitgefühl verloren. Es gab so viele Essen und Einladungen und Feiertage, dass ich irgendwann beim besten Willen, nicht mehr sagen konnte, welcher Wochentag gerade ist. Stattdessen verfiel ich ich in eine Art Feierlethargie. Ich war auf jeder Party und alle fühlten sich an, wie die am Vortag. Natürlich war das vorherrschende Thema jedes Menschen um mich, die jeweiligen Vorsätze und Projekte für das nächste Jahr. Und dieses ständige Gequatsche vom nächsten Jahr und dem was da kommt, machte wohl meine Birne weich. Seit ein paar Tagen bin ich nämlich auf diesem ganzen Mist irgendwie hängengeblieben. Ich mache mir ständig Gedanken. Aber nicht über das nächste, sonder über das vergangene Jahr. Sich selbst und die eigenen Taten einzuschätzen ist ganz schwer, finde ich. Man ist ja, bei Gott, nicht mal fast objektiv. Irgendwie macht sich bei mir ein ganz komisches Gefühl breit. So, als würde man am Flughafen sitzen und gleich abfliegen und man hat wohl den Herd angelassen. Was ist mein Problem? Keine Ahnung. Deshalb stand ich letzte Nacht um 3 Uhr einfach mal aus dem Bett auf und machte eine kleine Inventur des letzten Jahres.

Ich setze mich an den Küchentisch und versuchte den bunten Brei in meinem Kopf zu ordnen. Was habe ich letztes Jahr dazu gewonnen?

- Einen neuen Job als Autorin (für Einwände, siehe Kolumne „Plötzlich Kolumnistin?!“) und Menschen, die sich tatsächlich trauten meine verqueren Gedanken zu veröffentlichen. Schonmal gut und wichtig. Da kann man sich mal auf die Schulter klopfen. Ein bisschen. Nur ganz leicht.

- Neue Brüste. 2 sogar. Die mag ich und das kann man, im wahrsten Sinne des Wortes, unter „Zuwachs 2010“ verbuchen.

- 4 ganz großartige neue Menschen, die im letzten Jahr meine Freunde geworden sind und immer für mich da sind. Ich danke euch für jeden gemeinsamen Tag.

- Ich entdeckte Berlin, als meine temporäre zweite Heimat und dort auch einen besonderen Mann, in den ich kurz ein wenig verliebt sein durfte.

- Die Erkenntnis, dass Nichts im Leben ohne Grunde geschieht und man nur ein bisschen warten muss, bis Alles gerecht wird. Darum müssen wir uns nicht mal kümmern. Es passiert von ganz alleine.

- Meinen Dalmatiner „Rosé“, den ich aus dem Tierheim holte und überhaupt die Tatsache, dass ich nun den Platz und die Zeit habe ihm ein besseres Leben zu ermöglichen.

- 3 neue Tattoos und die dazugehörigen wichtigen Erkenntnisse und Erfahrungen, die zu ihrer Entstehung führten

- Ein wieder besseres Verhältnis zu meinem kleinen Bruder. Er hat aufgehört so viel zu feiern und ich so viel zu schimpfen.


So. Eigentlich eine gute Liste. Nur irgendwie habe ich immer das Gefühl, nicht genug getan zu haben. Aber, egal ob ich noch mehr hätte schaffen müssen oder nicht- ich bin sehr dankbar für das letzte Jahr. Ich denke, es ist Alles ok. Und als ich meine Aufstellung so ansehe, werde ich das erste Mal seit Tagen etwas ruhiger.
Nun wäre die Auflistung der Verluste 2010 dran, denn so funktioniert eine Inventur nunmal. Und ja, es gab sehr herbe Rückschläge im letzten Jahr. Und Fehler, die ich gemacht habe. Aber aus Allem habe ich gelernt, deshalb fühlt es sich nicht richtig an, diese Dinge als Verluste zu verbuchen. Deswegen lasse ich diese Spalte einfach weg. Ich bereue nie Irgendetwas wirklich. Das ist wohl meine Natur.

Man sagt ja, der Moment um Mitternacht, wenn das Feuerwerk hochgeht, sei bezeichnend für das kommende Jahr. Deshalb hatte ich auch eine genaue Vorstellung, wie dieser aussehen sollte. Ich wollte mindestens 3 Kilo leichter sein, einen wunderbaren Mann haben, der meine Hand hält und genau wissen, wo ich stehen und wo es 2011 hingehen soll. Das klappte aber genauso gut, wie das Vorhaben eine äußerst beschwingte Neujahrskolumne zu schreiben. Überhaupt nicht.

Tatsächlich stand ich um 0:00 auf einer Schicki-Micki-Hütte in Kitzbühel. Neben einem, mir fast fremden Mann. Er war witzig, gutaussehend und alleine. Wir hatten beide niemand, den wir um 12 dringend anrufen mussten. Erbärmlicher Anblick. Also unterhielten wir uns und es war ein sehr tiefsinniges und gutes Gespräch. Mitten in die Unterhaltung platze eine alter Bekannter von mir, der mich, ohne Vorwarnung oder ersichtlichen Grund, mehrfach auf den Mund küsste und noch bevor ich das einordnen konnte, sah er mir tief in die Augen und ging einfach still weg. Aha. Wieder alleine. Etwas verwirrt.

Also, in den ersten Minuten des neuen Jahres war ich erst alleine, wurde geküsst, war wieder alleine und nebenbei führte ich tiefe Gespräche über das Leben und seinen Sinn. Wenn dies nun wirklich richtungsgebend für 2011 ist, dann wird 2011 ja genauso wie 2010 war. Hm. Auch ok...

Nein, es gab wieder niemand, dessen Hand ich halten konnte oder wollte. Und nein, ich weiß weder wo ich stehe, noch wo es 2011 hingehen soll. Aber wenn es keinen Plan gibt, sind ja auch alle Wege noch offen, oder? Die Pläne macht doch eh ein Anderer und wir sollten dem Weg folgen. Egal wie sehr wir unseren Klumpen vom Bleigießen anstarren oder bei der Astrohotline anrufen: Wir wissen nicht was morgen ist. Keiner von uns. Und wir sollten uns nicht ständig einreden, etwas zu wissen. Jeder Tag kann der sein, der Alles verändert und das müssen wir so hinnehmen. Das Schicksal gibt die Karten aus und wir spielen.

Das wird wohl mein einziger Vorsatz für das nächste Jahr : Vertraue auf das Leben, es gibt immer einen Grund .