Tattoogrufti ... Die Sache mit meinen Bildchen

Ich habe mir diese Woche mein füntes Tattoo stechen lassen.Ja,ich bin eine von den ganz Harten. Ich liebe alle kleinen Kunstwerke auf meiner Haut, nur das erste ist wirklich hässlich. Das „Faith“ an meinem Knöchel ,das habe ich mir vor 2 Jahren bei einem Stümper in Landshut stechen lassen. Man sollte Demos vor seinem Studio veranstalten, so schlecht ist der Mann in seinem Job. Er sah aus wie Marilyn Mansons kleiner kiffender Bruder aber ich dachte das wäre in der Szene normal. Wen soll man da erwarten? Ursula von der Leyen und die Supernanny ?
Ich erklärte ihm zu Beginn sehr ernst mehrmals, dass ich wahnsinnige Angst hätte. Irgendwie war ihm das aber egal. Oder er war nicht wirklich ansprechbar- wie auch immer : Ich hatte mich vorbereitet. Während wir eine Schrift aussuchten, warf ich erstmal 3 Tabletten gegen Übelkeit, 2 gegen Schwindel und 8 Baldrianpillen ein. Alles zusammen, mit Cola für den Kreislauf. Nach 10 Minuten war das Motiv auf meinem Knöchel skizziert und es sollte losgehen. Ich merke nichts von der beruhigenden Wirkung des Baldrian sondern hatte panische Angst. Homeopathischer Mist! Ich hätte Valium geraucht aber es war zu spät. Verängstigt fragte ich den tiefenentspannten Teufelsanbeter, ob schon mal jemand angefangen hatte zu weinen während er von ihm tattoowiert wurde. Er lacht und sagt „Ja klar“. „Kann mich bitte jemand in Narkose legen oder bewusstlos schlagen“ flehte ich innerlich. Ohne Vorwarnung legt er los. Ich zucke zusammen und siehe da, ich hatte Recht :Es tat verdammt nochmal weh! Wollen die Leute, die immer sagen es wäre nicht so schlimm nur alle anderen reinlegen oder tat er mir absichtlich weh, weil ich mir das Wort „Glaube“ und nicht „ Satan“ stechen ließ? Ich war zu stolz, um zu jammern und presste meine Lippen zusammen. Plötzlich entdeckte ich auf seinem Arm ein riesiges Tribal. So nennt man ein Motiv aus irgendwelchen Linien. Bekanntester Vertreter dieses geistigen Armutszeugnisses : Das Arschgeweih. So jetzt war alles klar. Leute mit dieser Art Tattoo, nämlich einem ohne jede Bedeutung, waren mir schon immer suspekt. Wie stumpfsinnig und leer musste man denn sein, wenn einem auf die Frage, was man sein Leben lang auf seinem Körper sehen will, nur Linien einfielen?! Und warum bitte, durfte so eine Flitzpiepe mir jetzt was unter die Haut stechen? Ach ,ich war ja selbst schuld.Ich hätte mich besser erkundigen müssen um ein gutes Studio zu finden statt mich spontan vom nächsten Grufti verschandeln zu lassen. Als ich in Wut und Gedanken versunken dalag, ruft der Zottel mit der Nadel „Fertisch“. Tatsächlich? Nach 20 Minuten war es überstanden. Das Ergebnis war, wie zu erwarten, nicht besonders gut. Es sah aus, als hätte es ein Grundschüler mit Füller geschrieben und danach aus Versehen die Tinte etwas verschmiert. Aber Aufregen wollte ich mich später – nicht in diesem Augenblick – ich war erstmal stolz, dass ich es geschafft hatte. Ja, ab jetzt war ich ein ganz wildes, tattoowiertes Mädchen. Eine Rebellin! Eine furchtlose Amazone! Meiner Mama erzählte ich es aber doch lieber nur per SMS. Als ich nach hause ging, googlte ich bereits auf meinem iPhone die Möglichkeiten dieses Gekritzel zu entfernen. Aus sentimentalen Gründen habe ich es noch heute. Tattoos sollen ja etwas über den Träger verraten und das tut es: Das Wort „Faith“ an sich drückt meinen Glauben an einen Gott aus und die Ausführung zeigt ganz klar eine meiner dominierendsten Schwächen: Ich bin ungeduldig! Alles muss sofort oder eigentlich schon gestern passieren. Ich überstürze die Dinge gerne – deshalb sind die Ergebnisse nicht immer ganz optimal.